Castro Marim (Ostalgarve)

Offroad in Portugal

Freitag, 24. Mai 2024

„Grenz“erfahrungen

Unser Hotelaufenthalt auf der südspanischen Halbinsel Isla Canela (übersetzt Zimtinsel), kurz vor der Grenze zu Portugal, bietet sich an, um einen Tagesausflug ins Nachbarland zu machen!

Zwischen unserem Hotel auf der Isla Canela und dem Grenzfluss Guadiana befindet sich noch das kleine Städtchen Ayamonte, aber insgesamt sind es nur 14km von unserem Hotel bis zur Ponte Internacional do Guadiana, also jener Brücke, die die südlichste Möglichkeit darstellt, von Spanien nach Portugal zu gelangen.

Und wir haben Glück und sind das letzte Hotel, das der Minibus heute auf der spanischen Seite ansteuert um die Tagesausflügler einzusammeln. Wir werden direkt rüber nach Portugal gefahren ohne lästige Zwischenstopps. Im Örtchen Vila Real de Santo Antonio, dem nächsten am Fluss gelegenen Ort auf portugiesischer Seite, treffen wir mit weiteren Ausflugsteilnehmern zusammen.

Alle Bilder von unserer Jeep Safari – zum Durchklicken:

Offroad in Portugal

Was wir hier zunächst sehen ist aber nur Fluss, Hafen und Industrie, phasenweise riecht es sogar gemein nach Fäkalien und weiß Gott was noch. Ich will nicht hoffen, dass hier was in den Fluss bzw. ins Meer geleitet wird, fast überall umrum ist Naturschutzgebiet!

Für uns ist hier aber, wie gesagt, der Treffpunkt mit weiteren Guides mit Minibussen, die weitere Leute in den Hotels eingesammelt haben, sowohl in Spanien als auch in Portugal. Hier wird nun neu gemischt bzw. sortiert, und zwar nach Sprache! Und so landen wir mit sechs Mehr-oder weniger-Süddeutschen in unserem Jeep, plus Guide Josh, geborener Wiesbadener, aber durch und durch Portugiese, da seine Familie zurück nach Portugal ging als er gerade mal sieben war. Ich schätze, er heißt in Wirklichkeit Joao oder so?!

Reserva Natural do Sapal de Castro Marim e Vila Real de Santo Antonio

Mit im Wagen sitzen bei uns eine Mutter und ihre sechsjährige Tochter sowie die Eltern besagter Frau, die vier kommen aus der Pfalz. Und dann haben wir noch ein Pärchen, vermutlich etwas jünger als wir, sie halten so gar nichts von der Pfalz, sind stolze Badener und kotzen das auch erstmal raus. (Ich muss das tolle „Badener Land“ dann erstmal googeln, offen gestanden…) Wie dem auch sei, wir werden heute alle gut miteinander auskommen, nur der Pfälzer Vater bzw. Großvater geht mir gehörig auf den Senkel. Sprechen kann er scheinbar nicht, dafür umso ausgiebiger rauchen. Eine ganz ekelhafte Sorte. Zu jeder Gelegenheit. In der knalle Hitze. Am Liebsten in meiner Nähe.

Offroad in Portugal

Unsere Offroad Tour beginnt eher flach aber dafür sehen wir viele Flamingos in der freien Wildbahn des Reserva Natural do Sapal (de Castro Marim e Vila Real de Santo Antonio, was die beiden Orte sind, die an das Gebiet grenzen). Diese Region besteht aus vielen Armen, Zweigen und Kanälen des Rio Guadiana. Sie bilden hier etliche Seen, Sümpfe und Salinen, die vielen Tieren einen Lebensraum bieten, unter anderem eben den Flamingos, die sich hier inzwischen heimisch führen und mittlerweile nicht mal mehr im Winter nach Afrika verschwinden.

Wir sehen unfassbar viele Tiere, doch nur die wenigstens sind rosa- bis pinkfarben, was daran liegt, dass Flamingos zunächst weiß sind und erst ab einem Alter von vier Jahren anfangen, sich zu „färben“. Und das auch nur wenn die richtigen Algen, Garnelen, Krebse etc. vorhanden sind, die für diese typische Farbe sorgen! Im Ria Formosa Naturschutzgebiet bei Faro trifft das noch überwiegend zu und in Zoos füttert man die Tiere auch entsprechend aber in Wirklichkeit sind die meisten Flamingos gar nicht mehr leuchtend pink!

Wir fahren auf huckeligen Offroad Pisten durch das Sumpfgebiet, welches das erste (!) Naturschutzgebiet auf dem portugiesischen Festland war! Das berühmteste Tier dieser Gegend ist der Stelzenläufer, eine Vogelart, die uns unser Guide auch immer sofort zeigt wenn er welche davon irgendwo fliegen oder am Rande sitzen sieht. Wir haben sogar das Glück ein paar Baby-Stelzenläufer zu sehen, die gerade zu Fuß ihre ersten Erkundungstouren im näheren bis weiteren Umkreis ihrer Eltern machen. Sie sind noch nicht weiß wie die ausgewachsenen Exemplare ihrer Art sondern haben verschiedene Brauntöne und sind noch ganz flauschig und natürlich etwas kleiner.

Offroad in Portugal

Wir kommen auch an vielen Salzgewinnungsflächen vorbei. Vor 20 Jahren noch, da gab es nur zwei Familien hier, die Salz gewinnen, mittlerweile sind es viele Kleinbetriebe geworden.

Abgesehen von unseren Jeeps ist hier fast niemand unterwegs, uns kommen genau ein Jogger und ein Radfahrer auf dieser Huckelpiste entgegen, ansonsten ist es ruhig und menschenleer. Ob das dann so richtig und für Natur und Tiere gut ist, hier hindurch zu rauschen mit so vielen Fahrzeugen? Ich weiß es nicht aber es macht leider auch verdammt viel Spaß, das kann ich nicht leugnen.

Mehr Offroad Strecken

Josh erzählt viele interessante Dinge, auch vom Wassermangel, der jedes Jahr im Sommer sichtbarer wird. Er schließt den Klimawandel nicht aus, erklärt aber auch den Fakt, dass die Wasservorräte exponentiell zum steigenden Avocado-Anbau schwinden!! Ein interessantes Detail. Außerdem ist er auch so ehrlich, dass die Landwirtschaft im Allgemeinen den allergrößten Anteil des Wassers aufbraucht. Aber letztlich natürlich auch die vielen Touristen in der Saison.

Offroad in Portugal

Die Fahrt wird zunehmend holpriger, schneller und auch hügeliger. Mittlerweile ist auch das Pfälzer Mädchen aufgetaut und hat Spaß. „Schneller!“ ruft sie ab und zu, und sie spricht mir aus der Seele. Zum Glück sind wir der erste Jeep in der Reihe, denn wir wirbeln ordentlich Sand auf! Der Fahrtwind ist krass, ich hoffe wir holen uns hier keinen Sonnenbrand, denn man kann es wunderbar aushalten hier oben! Ab und zu müssen wir ein paar grünen Ästen ausweichen aber das kenne ich vom Ausreiten…

Besonders spannend finde ich die am Wegesrand wachsenden Granatäpfel! Ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht wie die wachsen, aber ich bin völlig begeistert. Google das mal per Bildersuche, das sind total hübsche Büsche mit orangefarbenen Blüten aus denen zunächst winzige Granatäpfel herauswachsen, in gewisser Weise vergleichbar mit unserer Apfelblüte, wenn ich recht überlege…

Natürlich halten wir auch an einer Korkeiche und bekommen einen ersten Einblick ins Thema Korkproduktion. Das ist immer wieder interessant, ich weiß aber, dass ich davon bereits vor 26 Jahren das erste Mal gehört habe; das war auch an der Algarve damals!

Kork

Die Tour macht richtig viel Spaß! Wir lernen viel, aber werden nicht voll geschwallt, na gut vielleicht entgeht uns da oben auch ein bisschen was weil wir eigentlich immer wo es geht stehend oben aus dem Fahrzeug rausgucken. Ich bekomme richtig Lust auf eine „echte“ Safari in Afrika! Zwar ist das nicht meine erste 4×4 Tour, das habe ich schon 2009 auf Malta, 2022 auf Madeira und 2023 auf dem Pikes Peak gemacht aber so richtig Safari-like kommt es uns erst heute vor! Wahrscheinlich aufgrund des Wetters und der bräunlichen, sandigen, hügeligen Umgebung…

Quinta da Fornalha [!keine Werbung!]

Der erste Stopp ist an einer kleinen Quinta, wo wir drei verschiedene Brotaufstriche bzw. Chutneys probieren können. Sie sind nicht schlecht aber ich habe keine Lust etwas davon zu kaufen, zu Hause schmeckt es doch alles immer anders…

Quinta do Rio [!keine Werbung!]

Quinta do Rio [!keine Werbung!]

Der zweite Stopp ist offenbar das „Nest“ der Safarifahrzeuge, dort endet auch unser Offroad Teil und es erwarten uns noch viel mehr Guides! Nach einer halben Stunde Pool (wer will) bzw. Poolbar (wir!!) serviert uns das Safariteam ein gigantisches, köstliches, durch und durch portugiesisches Menü:

Vorweg den grünen Klassiker: Caldo Verde, eine leckere Kohlsuppe, an der ich mich schon satt essen könnte, die eine der Pfälzerinnen kriegt sie jedoch kaum runter, ein Trauma einer früheren Kohlsuppendiät…

Als Hauptgericht Hühnchen Piri Piri: Also Hühnchen extrem scharf. Und dazu zum Glück reichlich Beilagen, sodass auch ich mehr als satt werde, es gibt Kartoffeln wie ich sie liebe (mit Pelle und Salz) und einen Tomatensalat, schön mit Zwiebel!

Dazu sowieso: Brot und Ziegenkäse; Rot- und Weißwein und Wasser.

Zum Nachtisch: Frische Orangen! Nie im Leben würde ich in Deutschland eine Orange schneiden und essen, einfach so. Die würde ich mir nur auspressen. Aber die Orangen hier, haben mit den Orangen, die in Deutschland landen, absolut gar nichts gemein, abgesehen vom äußeren Aussehen. Gott, sind die süß und saftig und lecker! Mich stört nicht mal das Weiße, das ich sonst großzügig ab pule! Für mich eine völlig unbekannte Sorte Obst!

Nun sind wir alle ganz schön (glücklich aber) k.o. aber es gibt noch ein bisschen Live Musik, ebenfalls von den Safari Guides, das sind alles Allround Talente! Neun großartige Männerstimmen tragen zwei emotionale Fadostücke vor, von denen wir kein Wort verstehen, aber es scheint sogar Phil zu gefallen. Anschließend werden die Stücke flotter und fröhlicher! Bis der ganze Saal mit-„laa-laa-laa“t…

Life is better on a river

auf dem Grenzfluss zwischen Portugal und Spanien

Zehn Minuten Fußweg sind es nun bis zu unserem Boot, das uns innerhalb von ca. anderthalb Stunden zurück nach Santo Antonio bringen soll. Auf dem Fluss Guadiana, dem Grenzfluss zwischen Portugal und Spanien, schippert es sich seicht und es ist sehr windig, was hier (bzw. auch auf der Isla Canela) fast überall der Fall ist, doch überraschenderweise macht mir der Wind auch hier heute nichts aus, es ist einfach nur herrlich und die vorbei ziehende Landschaft erinnert an unsere Dourokreuzfahrt 2023. Nicht von der Landschaft her aber so von der Sache an sich: Man sitzt auf dem „Sonnendeck“ und genießt einfach das Panorama und das Wetter…

Was hier anders ist: Zuerst schallen fröhlich die Beatles und Co. viel zu laut aus den Lautsprechern und den Großteil der Fahrt die Stimme eines  der Safari Guides, der Elvis und andere Klassiker zum Besten gibt. Gerne hätten wir auch die Ruhe genossen aber das ist nun mal unüblich auf solchen Gruppentouren und irgendwie gefällt es uns ja auch doch… Aber wo ist nur der Tag geblieben? Das war so schnell und wunderschön heute… Wo ist die Zeit hin? Das war wirklich ein perfekter Urlaubstag! Philipp sagt von sich aus: Der schönste geführte Ausflug, den wir bisher in einem Urlaub unternommen haben! Das freut mich ungemein.

Alle Bilder von unserer River Cruise auf dem Guadiana – zum Durchklicken:

auf dem Grenzfluss zwischen Portugal und Spanien

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