<<< Die beiden letzten Tage haben wir in Barca d´Alva verbracht und haben Castelo Rodrigo besichtigt.
Heute liegen wir in Régua und gucken uns Lamego an:
Dienstag, 23.05.2023
Auch heute lassen wir das Frühstück verstreichen. Doch der Plan mit dem Ausschlafen geht nicht so ganz auf…
09.20 Uhr. Unsere Kreuzfahrtleitung, die uns sonst jeden Morgen mit ihrer „zärtlichen“ Stimme geweckt hat, legt heute noch mal eins drauf und spielt „Guten Morgen Sonnenschein“ von Nana Mouskouri in voller Lautstärke ab… Gefolgt von irgendwelchen Informationen, die auch im gedruckten Tagesprogramm stehen, was jeden Abend für den Folgetag auf der Kabine liegt, wenn man vom Abendessen kommt…
Ab auf´s Sonnendeck! Mit Kaffee und Buch genießen wir den landschaftlich schönsten Flussabschnitt, wir sind ja jetzt schon wieder auf dem Rückweg Richtung Porto.
Den Kaffee haben wir vom Unterdeck, dort steht, frei zugänglich, ein Kaffeeautomat, Tee bekommt man auch. Eigentlich hatte es zuvor geheißen, dass man ohne Getränkepaket ausschließlich zum Frühstück kostenlos Getränke erhält, doch niemand weist darauf hin, dass der Automat im Unterdeck nur für „Getränkepaketisten“ ist. Es steht auch kein Schild mit derartigen Informationen dran. Folglich bedient sich Philipp dort regelmäßig. Ebenso an dem dortigen Wasserspender, denn unsere mitgebrachten 12 Liter sind natürlich längst versiegt…
Na jedenfalls finde ich es so nun noch erstaunlicher, dass wirklich Menschen ein Getränkepaket buchen, und zwar die meisten! Wir sehen fast niemanden, der wie wir, jeden Cocktail und jedes Bier, unterschreibt für die Bordrechnung am Ende… Ein Getränkepaket kostet pro Person fast 200€ und natürlich müssen es beide Personen aus einer Doppelkabine buchen. Ich nehme es vorweg: Unsere Bordrechnung am Ende der Reise wird 46€ betragen. Für uns beide zusammen. Dass es da stressig wird, das Getränkepaket zu versaufen, kann ich mir wahrlich vorstellen. Es erklärt aber warum wir uns (gefühlt?) nur mit Alkoholikern auf dieser Reise befinden.
12.30 Uhr. Das heutige Buffet ist das beste Mittagessen der gesamten Woche. Und dabei gefällt es uns wirklich jeden Tag richtig gut, was hier kulinarisch immer geboten wird. Ich werde nicht müde, dies zu betonen! Und auch jetzt, wie bei jeder Mahlzeit, scheinen die Kellner eine Wette am Laufen zu haben: Wessen Wasser-Krug ist zuerst leer? Philipp trinkt große Mengen Wasser zu den Mahlzeiten und immer und ständig kommt ein anderer Kellner und schenkt ihm großzügig nach. Wir, und auch die Kellner, müssen inzwischen mindestens darüber schmunzeln.
Nach dem Essen haben wir noch ein bisschen Zeit, Karten zu spielen und unsere sieben Sachen für den Ausflug zu packen. Es soll nach Lamego gehen! Der Ort ist vor allem berühmt für seine Wallfahrtskirche, mit deren Bau man ab dem 18. Jahrhundert begann, als sich viele wohlhabende Winzer in dem christlichen Städtchen niederließen. Das wollen wir uns ansehen!
14.20 Uhr. Die Fahrt nach Lamego wird so ziemlich genau 30 Minuten betragen und wir werden an der Kirche Nossa Senhora do Remédios am steilen Hügel Santo Estevao rausgelassen. Unsere Reiseleiterin besichtigt mit uns zunächst diese Kirche kurz und entlässt uns dann: Wer will, der kann die fast 700 Stufen runter in die Stadt laufen, wer nicht will oder kann, darf im Bus mitfahren. Treffpunkt: Kathedrale.
Die meisten, und so auch wir, gehen zu Fuß. Der Ausblick von dem rund 600m hohen Hügel ist wirklich fantastisch, und verändert sich immer ein wenig, je weiter runter man die Stufen geht. Glücklicherweise werden die vielen Stufen von neun „Terrassen“ unterbrochen, sodass man immer auch erstmal ein Stückchen auf ebener Fläche gehen kann. Verziert sind die Treppen wunderschön mit weiß-blauen Keramikfliesen, wie wir sie kürzlich schon in den Bahnhöfen von Porto und Pinhao bewundert haben.
Unten angekommen befinden wir uns auf einer Art breiter Flaniermeile, wo es auch ein paar Cafés und ein bisschen Straßenmusik gibt. Unweigerlich führt dieser „Boulevard“ zur Kathedrale, wo uns unsere Reiseleiterin für eine kleine Führung erwartet. Konzentrieren kann ich mich darauf aber nicht, ich genieße einzig und allein die Kühle hier drinnen.
Danach haben wir eine gute Stunde Freizeit. Wir gehen ein bisschen in den Souvenirshops bummeln, landen dann aber mit fast der gesamten Gruppe in einem Café, wo man draußen herrlich schattig vor der Kathedrale sitzen kann. Ich genieße meinen Espresso und ein Eis am Stiel; Philipp ein Fläschchen Wein, es war die kleinste „Dosis“, die man hier bestellen kann, ich glaube ein halber Liter.
Lamego in Bildern – zum Durchklicken:
16.40 Uhr. Unsere letzte Fahrt mit Busfahrer Pedro steht bevor. Da er kein Körbchen für Kleingeld vorne stehen hat, drücke ich ihm einfach mal einen Schein in die Hand. Ich kann es eigentlich gar nicht fassen, dass sich offenbar niemand dazu verpflichtet fühlt, ihm eine Kleinigkeit zukommen zu lassen. Meistens bekommt man so etwas ja doch irgendwie mit. Dem ist hier nicht so. Weder die Herren der T-Shirt-Fraktion „Wasserfreunde Spandau“ oder „Radiologie ohne Grenzen“ noch sonst irgendwer fühlt sich hier berufen. Soweit ich das beurteilen kann.
Aber so ist das auf dieser Reise. Ich wundere mich über viele Dinge. Und dazu gehört neben der Trinkgeldsache zum Beispiel auch, dass mir die alten Leute fast alle das Gefühl geben, dass sie sich durch uns Jungspunde gestört fühlen und unsere Anwesenheit sie nicht gerade in Begeisterung versetzt. Nur wenige Personen nicken uns mal zu oder setzen zu einem Smalltalk an. Das sind eigentlich nur der Franzose und der freundliche Ü80-Herr von unserem Tisch auf dem Weingut sowie unsere Tischnachbarn auf dem Schiff, die direkt neben uns sitzen, und die irgendwie ein bisschen seltsam sind, sowie die einen Tisch weiter, die beide rund um die Uhr in Weiß erscheinen und vermutlich keinen Koffer für ihre Reise benötigen. Ich wüsste nicht wofür, da sie ja wirklich immer das gleiche anziehen…
Wie auch immer. Unser Schiff liegt in Régua und dorthin fahren wir nun zurück. Unterwegs begegnen wir einem Autokorso, hier demonstrieren die Lehrkräfte, darüber erzählt uns die Reiseleitung dann auch ein bisschen etwas, die Gehälter sind unangemessen, dafür geht man nicht studieren. Das ist aber kein neues Thema hier, leider.
Zurück in Régua besucht die Gruppe im Rahmen des Ausflugs noch das Douro-Museum. Ohne die Kommentare der Reiseleitung wäre ich hier etwas verloren gewesen. Das Museum stellt die Geschichte und Kultur der Weinanbauregion vor, allerdings überwiegend auf Portugiesisch, nur teilweise auf Englisch. Unterm Strich gefällt mir der Souvenirshop des Museums am Besten… Ich kaufe Seife und Olivenöl und dann geht es wieder auf´s Schiff, das fast direkt vorm Museum liegt, bzw. unterhalb. Mittlerweile ist es 18 Uhr und wir haben schon bald den nächsten Programmpunkt…
Doch kurz noch ein paar Worte zu Régua. Laut meinem Reiseführer ist dort der Hund begraben: Keine guten Cafés, null Attraktivitätsfaktor. – Und das kann ich so überhaupt gar nicht unterschreiben! Okay, ja, das Douro-Museum war jetzt nicht der Oberkracher aber als „Geburtsstadt des Portweins“ muss es hier so etwas vielleicht auch einfach geben. Und ansonsten finde ich allein die Tatsache, dass hier diverse Schiffe liegen und es sogar eine Touristeninformation gibt, schon aussagekräftig. Und wir haben auf unserem Schlenker zwischen Douro-Museum und Schiff genug Einkehrmöglichkeiten und Souvenirshops gesehen! Außerdem eignet sich Régua hervorragend als Tagesausflug von Porto. Die rund 100km kann man wunderbar mit der Bahn überbrücken und den Rückweg auf einem Douro-Schiff antreten! Aber auch wer in Régua richtig Station macht, kann mit einem kleinen Boot hier Touren machen, um das Panorama und den Überfluss der Natur zu genießen. Von den ganzen umliegenden Portweinkellereien ganz zu schweigen! Ich finde, hier kann man auch ohne Ausflug nach Lamego sehr gut seine Zeit verbringen. Die Stadt soll sehr grün sein und eine historische Ortsmitte haben, vieles steht unter Denkmalschutz. Wir jedenfalls sind uns einig, dass wir gerne mehr von Régua gesehen hätten, wären wir nicht nach Lamego gefahren!
Régua in Bildern – zum Durchklicken:
19 Uhr. Kapitänsempfang ohne Kapitän. Warum, haben wir nicht so ganz verstanden aber es gibt einen leckeren Port auf Kosten des Hauses und alle Angestellten werden noch einmal beklatscht. Es folgt das Gala Dinner mit noch mehr Gängen und noch exquisiter als sonst. Glücklicherweise ist die Garderobe aber immer recht entspannt!
21.30 Uhr. Wir sitzen im Salon. Einen Fado-Abend habe ich mir schon seit Ewigkeiten gewünscht! Und auf unserer letzten Portugalreise, Madeira 2022, hat es sich einfach nicht ergeben. Daher freue ich mich, dass es auf dem Schiff immerhin einen Folklore-Abend mit Fado-Elementen gibt. Auch wenn das natürlich etwas ganz anderes ist als in einem rein portugiesischen Restaurant den Fado-Klängen zu lauschen, verbringen wir einen sehr schönen Abend. Es überwiegen aber deutlich die flotteren Stücke, vor allem die bulgarische Reisegruppe findet hier in ihr Element und auch die Barkeeper beteiligen sich früher oder später auf der Tanzfläche!
Morgen sind wir dann zurück in Gaia! >>>







