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Samstag, 26. August 2023
Samstagmorgen und etwas zerknautscht
Ich muss aufpassen, dass ich nicht in den Gedankenkreis von „Oh nein, schon bald eine Woche rum, schon fast Halbzeit, fast alles vorbei, es geht bald nach Hause…“ abrutsche sondern mich freue, dass wir noch mal so viele Tage vor wie hinter uns haben…
Wach geworden bin ich heute gegen halb acht. Philipp angeblich schon zwei, zweieinhalb Stunden vor mir. Das ist genau die Zeitspanne, die er gestern früher eingeschlafen ist als ich…
Unsere Laune ist beiderseits ausbaufähig, wir lassen uns besser erstmal in Ruhe. Die erste Rutsche gratis Kaffee aus der Lobby holt dann Phil, die zweite ich. Dazu gibt es unser gestern gekauftes Obst, Reese´s Cookies und Reese´s Peanut Butter Cups. Ultra süß und ich bin´s definitiv nicht mehr gewöhnt! Aber immerhin ist es erstaunlicherweise der beste Kaffee seit wir hier sind! Nicht super stark aber auch keine zu seichte Amiplürre.
Ein paar Worte über unsere Unterkunft
Ich bin von unserem Hotel nur mäßig begeistert. Nach vier von fünf Nächten kann ich durchaus schon mal folgendes Fazit teilen:
Positiv finde ich, dass unser Zimmer sehr groß ist und das Fenster sich öffnen lässt. Das Laminat ist hygienischer als ein Teppich. Und neben dem Kaffee ist auch das Parken kostenlos.
Negativ finde ich, wie halbherzig hier alles umgesetzt wurde. Man sieht in jeder Ecke, dass hier billig etwas altes, ranziges aufgekauft und nur viel zu dürftig renoviert wurde. Das Gebäude ist ein klassisches Motel, lang gezogen und zweistöckig, Parken teilweise direkt vor der Zimmertür, wobei wir im zweiten Gebäude wohnen und die Zimmertür nicht von außen haben sondern über einen normalen „Hotelflur“. Dieser Flur riecht muffig, das muss der versiffte Teppich sein, der definitiv seit Jahrzehnten nicht ausgetauscht wurde.
Die Zimmer hat man jedoch gestrichen, vernünftigen Fußboden und schöne Möbel und Deko reingestellt, die Duschen erneuert, alles bestens okay. Aber man darf auch nicht zu genau hinsehen, denn die Fugen im Bad, vor allem der Dusche, sind schon wirklich nicht mehr ansehnlich, das liegt sicherlich an dem ungeeigneten verbauten Material. Und ich bin nun wirklich nicht vom Fach…
Man darf leider auch nichts unters Bett fallen lassen, dann sieht man, dass dort lange nicht sauber gemacht wurde! Außerdem sind die Fenster wirklich asbach… Unsere beiden Doppelbetten sind schön groß aber Zimmerservice, der die Betten macht oder mal die Handtücher austauscht, gibt es nur auf Anfrage. Zum Glück haben wir zwei wirklich große Mülleimer, denn die leert ja auch niemand… Wir machen uns auch nicht die Mühe, einen Zimmerservice oder Handtuchwechsel zu erfragen. Ich habe es zwar immer wieder vor, vergesse es jedoch ständig und wir kommen ja auch so zurecht.
Soll unterm Strich heißen, wir fühlen uns nicht unwohl aber wir freuen uns auch auf das nächste Hotel, ein, zwei Kategorien besser… Gerne hätten wir natürlich auch in Colo Schprings höherwertig gebucht aber bei ganzen fünf Nächten wollten wir dann doch auch ein wenig auf den Preis gucken.
Helen Hunt Falls
10 Uhr. Ich drücke den On/Off-Button unseres SUVs und stelle das Navi ein. Es soll zum Helen Hunt Waterfall gehen! Das ist unser erstes Ziel im North Cheyenne Canyon Park, den Philipp sich über Google (Maps) (r)ausgesucht hat, denn für heute hatte ich nicht mehr wirklich etwas auf dem Zettel, abgesehen von dem Helen Hunt Wasserfall, versehen mit einem Fragezeichen.
Colo Schprings ist wirklich ein Paradies für Outdoor Fanatiker, denn man ist immer binnen weniger Minuten irgendwo in der Natur und kann sich auf Wanderwegen unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade austoben. Darüber hinaus ist Mountainbiking hier ein ganz großes Ding!
Die Einfahrt in den North Cheyenne Canyon Park ist komplett kostenlos und entlockt uns beiden schnell ein paar „Wow“s und „Oaah“s. Die steilen Felswände ragen vor und neben uns hoch auf. Trotz der heute fehlenden Sonne sieht es wunderschön aus. Der Canyon ist 1000 Fuß (>300m) tief in anderthalb Milliarden Jahre alte Granitfelsen eingeschnitten und es gibt hier u.a. Schwarzbären, Berglöwen und… Kolibris!
North Cheyenne Canyon Park in Bildern – zum Durchklicken:
Wir parken am Helen Hunt Falls Visitor Center und sehen uns dort etwas um. Wir sehen ein paar Kolibris von Nahem und stehen auch schon direkt vor dem Wasserfall. Theoretisch ist kein einziger Wander-Schritt nötig, hier können sogar Rollstuhlfahrer direkt an einen Wasserfall ranfahren. Sehr schön gemacht!
Buffalo Canyon Trail
Am Helen Hunt Falls Visitor Center studieren wir nun die Karte des North Cheyenne Canyon Parks und suchen uns einen kurzen Trail für eine kleine erste Wanderung ab/bis Helen Hunt Falls aus. Der Buffalo Canyon Trail ist nicht lang, wir brauchen insgesamt eine halbe Stunde, aber es geht erstmal steil bergauf! Und zwar zunächst über den Helen Hunt Wasserfall und dann über Waldboden etliche Treppen hoch, dass ich bald das Gefühl habe, mir springt die Lunge aus dem Leib.
Dann wird es leichter und ist einfach nur schön zu gehen, vor allem dann auch eher wieder nach und nach bergab. Mit kleinen Kindern würde ich hier nicht unbedingt gehen, dafür sind die Hänge zu steil und tief und die Wege zu schmal. Man muss schon aufpassen wo man hin tritt und sich etwas konzentrieren. Insgesamt ist es für uns aber gut machbar.
Jemand anderes scheint jedoch Hilfe zu benötigen, denn zwischendurch rast ein Mann mit Walkie Talkie und Erste Hilfe Rucksack an uns vorbei. Kurz sind wir dankbar, dass er nicht auf dem Weg zu uns ist…
Beide sind wir der Meinung, dass das graue Wetter hier heute total gut passt, das leicht neblige verleiht dem Trail eine etwas mystische Atmosphäre – und wir schwitzen mal nicht in der prallen Sonne sondern können gemütlich gehen, auch wenn die Jacken dann doch irgendwann ausgezogen werden…
Starsmore Visitor & Nature Center
11 Uhr. Wir fahren vom Helen Hunt Wasserfall & Visitor Center aus die komplette North Cheyenne Canyon Road wieder zurück in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Dort befinden sich ein weiteres Visitor Center und eine Menge Parkplätze. Wir hatten uns für diese Ecke des Canyons schon am Helen Hunt Visitor Center einen Trail empfehlen lassen aber Philipp ist noch nicht überzeugt. Deshalb befrage ich hier im Visitor Center noch eine Mitarbeiterin, wie so oft ein Dame im hohen Rentenalter, die hier freiwillig und ehrenamtlich unterstützt.
Sie empfiehlt uns, ungefähr eine Meile am Fluss entlang zu gehen und dann wieder umzukehren, denn wirklich super kurze oder einfache Trails hat sie ansonsten nicht in petto. Den Loop, den man uns in dem anderen Visitor Center empfohlen hatte, erwähnt sie nicht und geht auf meine Nachfrage auch nicht darauf ein.
Alternativ schickt sie uns auf den Chamberlain Trail Richtung Gold Camp Reservoir, da sollen wir einfach eine halbe Stunde hoch kraxeln und dann wieder umdrehen. Auch nicht das Gelbe vom Ei aber ich werde es Philipp mal vorschlagen, er sitzt draußen auf einer Bank und beobachtet Kolibris…
Chamberlain Trail – North
Der Chamberlain Trail scheint sehr lang zu sein und verläuft sowohl nördlich als auch südlich vom Visitor Center und der North Cheyenne Canyon Road.
Ich glaube die südliche Schleife ist die, die man uns am Helen Hunt Fall empfohlen hatte. Und die nördliche, ist die Strecke hoch zum Gold Camp Reservoir, das mir die Dame genannt hatte. Das will Phil machen! Aber dann natürlich nicht umdrehen sondern das Reservoir komplett umrunden, was die Dauer der Wanderung mindestens verdoppeln dürfte…
11.40 Uhr. Wir gehen also am Visitor Center los, immer am Fluss, dem North Cheyenne Creek, entlang und überqueren die Parkstraße auf der zweiten Steinbrücke. Ab dort geht es steil bergan. Jetzt gibt es nur noch enge, felsige Pfade und wir kommen ordentlich ins Schwitzen! Was bin ich nach wie vor froh, das heute nicht in der gleißenden Mittagssonne absolvieren zu müssen!
Uns begegnen etliche Leute mit Hunden und noch mehr Mountainbiker, die, zumeist in Gruppen, den Berg runter kacheln. Manchmal muss man wirklich sehr plötzlich zur Seite springen und Glück haben, dass man nicht den Hang runterhüpft. Da sind uns die Biker mit Bimmel-Glöckchen um den Hals lieber, die kündigen sich wenigstens frühzeitig an. Besonders charmant ist vor allem, dass der erste der jeweiligen Gruppe immer brüllt, wie viele noch nach ihm kommen, und der letzte gibt Bescheid, dass er der letzte ist, damit wir weiter gehen können. Einmal folgt einer Gruppe mit einigem Abstand noch ein Hund, der fast in uns rein springt und, der uns mächtig erschreckt, weil wir ihn hinter der Kurve nicht hatten sehen oder hören können. Er hat ordentlich Speed drauf, hängt den Bikes aber ein gutes Stück hinterher.
Wir sind überrascht wie viel hier los ist, bis uns klar wird, dass Wochenende ist. Samstag(vor)mittag sind sie alle unterwegs und scheinen irre Spaß zu haben, hier im halsbrecherischen Tempo die steinigen, schmalen Pfade runter zu brettern, während wir froh sind, wenn wir hier zu Fuß nicht vom Weg abkommen und irgendwo abstürzen.
Die Beschilderung der Wanderwege ist nicht optimal und die Trailkarte, die ich am Visitor Center abfotografieren konnte, ist erst recht nicht der Hit, aber man findet sich einigermaßen zurecht. Wir gelangen also irgendwann ans Gold Camp Reservoir, doch der Stausee ist hermetisch abgeriegelt, wir gehen sogar eine Weile an Stacheldrahtzaun entlang…
Etwas später gelangen wir zum South Suburban Reservoir, welches unerwarteterweise zugänglich ist. Es gibt sogar einen tollen Strand, Schwimmen ist aber Hunden vorbehalten. Und davon tummeln sich hier so einige! Wir nutzen die Gelegenheit und setzen uns eine Weile an die Seite und beobachten das Geschehen. Ich könnte hier stundenlang sitzen und den Vierbeinern beim Spielen zusehen… Gestört fühle ich mich nur durch die Air Force Maschinen, die hier oft und laut über unsere Köpfe hinweg donnern.
Nach fast zwei Stunden erreichen wir dann wieder unser Auto. Wir hatten noch einen Umweg gehen müssen weil die Trailkarte aus dem Visitor Center nicht sehr aktuell ist… Der direkte Weg runter zum Parkplatz existiert nicht mehr bzw. man endet vor einem Privatgrundstück… Das war etwas ärgerlich, denn nach unserem Zuckerfrühstück haben wir langsam auch Hunger…
Alles in allem aber ein sehr gelungener halber Tag! Der North Cheyenne Canyon und im Speziellen auch der Chamberlain Trail (jedenfalls der Teil davon, den wir bewandert haben) ist absolut empfehlenswert, laut Google Rezensionen vor allem für Mountainbike-Neulinge. Dann will ich aber nicht wissen was für Pisten Fortgeschrittene so befahren…
Gute deutsche Hausmannskost
Relativ spontan entscheiden wir uns für das Restaurant Edelweiss [!keine Werbung!] weil es nicht weit weg ist und wir zumindest keine Pasta, Burger oder Pommes essen wollen. Es ist hier ja fast alternativlos…
Im Restaurant steppt der Bär! Es ist ein riesig großer Betrieb samt Biergarten und man fragt uns zu allererst ob wir reserviert haben. Oh, äh, nein… Aber wir haben Glück und bekommen einen Tisch. Und unsere Kellnerin ist tatsächlich Deutsche, wie wir bald erfahren. Philipp fragt „Ähm sprechen Sie Deutsch?“ – „Besser wie Englisch!“ haut sie spontan raus. Ich muss so lachen…
Sie lebt seit 22 Jahren in Colo Springs und arbeitet seither in diesem Restaurant. Wir finden sie super nett; sie erzählt uns, dass sie aus der Frankfurter Ecke kommt und dort mit der Army zu tun hatte, wodurch sie dann irgendwann hier gelandet ist. Sie hat zwei Hunde und als sie erfährt, dass wir im North Cheyenne Canyon waren, fragt sie uns direkt ob wir einen Bären gesehen haben, dies sei dort keine Seltenheit… Sie hat zwei Hunde und ist entsprechend viel in der Natur unterwegs, hat aber große Angst vor Bären, Elchen, Schlangen etc., begegnet ihnen jedoch hin und wieder.
Philipp bestellt irgendwas Fleischiges mit Rotkohl und Kartoffelknödel, für mich ist einzig und allein ein vegetarischer Flammkuchen auf der Karte zu finden, aber auf den freue ich mich dann auch! Leider ist er aber „aus“ und ich frage nach einer Alternative. Es werden Käsespätzle. Optisch ist das alles auch okay aber geschmacklich können weder Phil´s Kartoffelknödel noch meine sogenannten Käsespätzle auch nur ansatzweise mit dem deutschen Original mithalten… Ich bin etwas enttäuscht aber es ist soweit okay und ich bin satt. Philipp ist da schon euphorischer und glücklicher, kann aber auch am guten deutschen Bier liegen… Zumindest gibt er ein überdurchschnittliches Trinkgeld, das ich fast schon unangemessen hoch finde, auch wenn wir generell nicht damit geizen, schließlich hat Amerika eine ausgeprägte Trinkgeldkultur…
Urlaub im Urlaub
15 Uhr. Kaffeezeit. Im Hotel zapfen wir uns frischen, heißen Kaffee und setzen uns in die Lobby. Dazu Bücher und Cookies, die Welt ist in Ordnung.
Phil verabschiedet sich irgendwann auf´s Zimmer, er ist fix und foxi und muss sich hinlegen. Ich folge ihm erst sehr viel später und bereite schon mal das Meiste für morgen vor. Unser Gepäck und die vielen Einkäufe müssen sinnvoll verstaut und morgen ins Auto geladen werden, denn morgen verlassen wir Colo Schprings, nach einer, wie ich finde, super angemessenen Aufenthaltsdauer!
Komm mit durch´s Teller County >>>

![SCP Hotel Colorado Springs [!keine Werbung!]](https://live.staticflickr.com/65535/53208072503_2225af9f78_b.jpg)
![SCP Hotel Colorado Springs [!keine Werbung!]](https://live.staticflickr.com/65535/53206892902_3ff98956d8_b.jpg)







