<<< Zurück nach Breckenridge
Mittwoch, 30. August 2023
10.45 Uhr. Philipp biegt, von Breckenridge kommend, in Black Hawk auf den Parkplatz eines Coffee Ladens, denn unsere Blasen drohen zu platzen, außerdem kann uns ein bisschen Koffein ohnehin nicht schaden für die verhältnismäßig lange Fahrt heute. Hier bekomme ich auch wieder einen Dirty Hippie und die junge Frau hinterm Tresen ist soo nett!
Peak to Peak Scenic Highway oder Byway – er wird mal so, mal so genannt
Von Black Hawk nach Estes Park fahren wir nun rund 100km auf dem Peak to Peak Highway, an dem sich auch unsere nächste Unterkunft befindet. Die schönste Jahreszeit für diese Panoramastrecke ist… bald. Heute ist sie auch schön aber kurz nach unserer Abreise wird sich hier alles herbstbunt verfärben und das ist dann wirklich die beste Zeit um optisch das meiste heraus zu holen…
Was unsere Unterkunft betrifft, für die ist es 1. noch etwas früh und 2. hat Philipp Hunger. Bei mir entwickelt dieser sich noch auf der Fahrt, denn für die Strecke braucht man rund anderthalb Stunden ohne Stopps.
Man könnte durchaus hier und da anhalten aber die Punkte beschränken sich im Grunde auf Trailheads, also Startpunkte für Wanderungen, die wir heute nicht eingeplant haben, sowie Campingplätze, wo wir auf dieser Reise nun wirklich nichts zu suchen haben. Wir halten daher nur ein einziges Mal, und das ist ein groß angekündigter Aussichtspunkt, von dem wir uns irgendwie veräppelt fühlen… Aber so hat man sich wenigstens mal gereckt und gestreckt zwischendurch…
Die einzigen anderen Punkte, die ich mir hätte vorstellen können für einen Stopp, sind das Karussell in Nederland und der Lily Lake 15 Minuten vor Estes Park. Doch ersteres ist unfassbarerweise nicht ausgeschildert (und das Navi bemühen wir nicht extra) und letzteren stellen wir hinten an, denn die Nahrungsaufnahme hat jetzt, wie erwähnt, Priorität.
An unserem Hotel fahren wir also auch schon vorbei aber, wie gesagt, erstmal fahren wir durch bis Estes Park und wollen etwas essen.
Nahrungssuche in Estes Park
12.30 Uhr. Lunch Stopp am Subway [!keine Werbung!]. Die hygienischen Verhältnisse schätze ich hier sehr fragwürdig ein aber trotzdem kaufen wir uns hier unsere Subs und verspeisen sie draußen auf einer kleinen Rasenfläche an einem Tisch mit Bänken. Idyllisch ist was anderes zwischen zwei großen Parkplätzen aber so ist es jetzt nun einmal. Allerdings weiß ich jetzt auch, dass ich irgendwie geheilt bin von dieser Kette…
Ich frage Phil anschließend noch mehrfach ob es eines Trostpflasters in Form von Koffein und/oder Zucker bedarf weil sowohl vor als auch hinter uns eine Filiale der grünen Meerjungfrau steht, aber er verneint vehement.
Doch ich kann nicht anders und gehe in die ebenfalls hier ansässige Rocky Mountain Chocolate Factory [!keine Werbung!] und kaufe uns zum Teilen einen mit Schokolade überzogenen Brownie am Stiel für fast 8 Dollar. Das klingt natürlich viel aber der Brownie ist unheimlich groß und unbeschreiblich lecker. Habe ich je etwas gegessen, das besser geschmeckt hat? Ich könnte mich reinsetzen! Kein künstlicher Kram, einfach nur gigantisch gut!
Nebenan gehen wir zum ersten Mal in einen Safeway [!keine Werbung!], zumindest kann ich mich an keinen anderen erinnern… Uns kommt die Auswahl beiden irgendwie viel besser und gesünder vor und es gibt unfassbar viele tolle Sachen, zu, gefühlt, auch etwas günstigeren Preisen. Neuer Lieblingsladen?
Wir kaufen allerdings nur einen riesen Becher gemischtes Obst und einen Sea Salt Bagel, damit wir im Laufe des Tages noch einen Snack haben, denn wir rechnen nicht mit einem Kühlschrank auf dem Zimmer (und sollen damit recht behalten).
Unser Hotel… – Leider!
(Überspring mein Geschwafel und Gejammer ruhig…)
14 Uhr. Im Dao House [!keine Werbung!] werden wir so semifreundlich begrüßt. Check in sei doch erst um 16 Uhr… Klappt dann aber trotzdem. Gut so, denn eine Mitarbeiterin hatte mir per Mail vorletzte Woche einen Early Check in ab 14 Uhr zugesichert. Vermutlich weil wir die einzigen Gäste sind; diesen Eindruck macht das Hotel jedenfalls…
Das Hotel erinnert von außen und in der Lobby an eine Lodge, sehr groß und sehr viel Holz. Philipp hatte ausdrücklich hier her gewollt, meine Tendenz war zu einem Kettenhotel in Estes Park gegangen. Hier jedoch sind wir mitten in der Pampa. Knapp 20 Minuten Richtung Norden nach Estes Park, ungefähr eine Dreiviertelstunde nach Süden nach Nederland.
Versteh mich nicht falsch, die Wahl meines Hotels hätte genauso oder schlimmer enden können wie hier. Naja, und ganz so schrecklich fand ich dieses Hotel im Internet auch nicht, sonst hätten wir es nicht gebucht! Aber es ist wirklich, wirklich enttäuschend:
Unser Zimmer ist groß genug mit zwei Betten, aber. Ja, aber… Uns missfällt der Teppichboden. Und das winzige Badezimmer, das Philipp erstmal putzen und desinfizieren muss, bevor er mich reinlässt. Ich höre ihn würgen und bin froh, dass er mir das erspart, er weiß wahrscheinlich auch, dass ich hier sonst die Flucht ergreifen würde.
Es gibt keinen einzigen Haken um mal etwas aufzuhängen, keinen Schrank, kein Regal, nur einen schmalen, langen Tisch mit zwei Stühlen und eine Stange mit ein paar Kleiderbügeln, immerhin. Sogar den Nachttisch müssen wir uns teilen, das mag ich immer nicht so, weil wir beide viel Zeug haben. Auf unserer Veranda steht eine unbequeme Holzbank, ohne Beistelltischchen, das ist hier alles nicht sonderlich liebevoll und nicht sonderlich durchdacht. Und trotzdem glaube ich, wäre der Teppich und das unschöne Badezimmer nicht, sähe die Welt schon völlig anders aus.
Denn die Lage ist ja zum Beispiel wirklich schön! In die eine Richtung der Longs Peak und der Rocky Mountain Nationalpark, aber eben auch die Straße, und in die andere Richtung, in die wir von unserer Veranda aus blicken, die Twin Sister Mountains. Landschaftlich toll, noch dazu sehr einsam. Allerdings schon wieder fast zu einsam, denn auch heute Abend werden wir weiterhin offenbar die einzigen Gäste sein… Dass im Zimmer nebenan die gesamte Zeit unseres Aufenthalts die Fenster sperrangelweit offen stehen, finden wir auch nicht unbedingt gut!
Wir machen einen kleinen Spaziergang über das große Dao Areal, wozu zum Beispiel auch ein Reitstall gehört, und setzen uns eine Weile auf eine Bank an dem kleinen Teich. Wetter und Landschaft sind überragend, doch wir sind geknickt. Wir überlegen… Haben wir ein Tief? Weil wir schon anderthalb Wochen unterwegs sind? Liegt es an der langen Autofahrt heute? Haben wir inzwischen zu hohe Ansprüche? Ist das super schöne Hotel in Breckenridge Schuld, dass wir jetzt mit einer etwas einfacheren Unterkunft direkt im Anschluss nicht zurecht kommen? Wahrscheinlich von allem ein bisschen. Und hinzu kommt noch, dass dies hier mit Abstand die teuerste Unterkunft der gesamten Reise ist! Selbst wenn es nur die Hälfte gekostet hätte, wäre es noch unangemessen teuer. Darüber dürfen wir also absolut nicht nachdenken, was wir hier für Kohle lassen. Preis-Leistung passt null! Selbst das schicke Hotel in Breck hat 100€ weniger pro Nacht gekostet!!
Zurück auf dem Zimmer lesen wir uns zusammen noch mal die Bewertungen durch, die man online über dieses Hotel findet. Letztlich hilft das auch nicht und stellt niemanden zufrieden. Aber besonders traurig finde ich eine Rezension von einer Frau, die hier geheiratet hat. Die bieten hier Hochzeitspakete an, sodass man hier die Zeremonie und Feier abhält. Und sie schreibt sehr eindrücklich, dass wirklich alles schlecht war, Zimmer, Essen, einfach alles. Das kann einem nur leidtun… Da können wir ja froh sein, dass wir hier nicht heiraten oder unsere Flitterwochen hier verbringen, wie es viele tun… Ich verstehe nicht, dass die Amis das hier gut finden aber die meisten Bewertungen sind im Grunde sehr positiv. Sonst hätten wir ja auch nicht gebucht…
Peak 2 Peak in Bildern – zum Durchklicken:
Komm mit in den Rocky Mountain National Park >>>







